Es werden seit Jahren über Annoncen in Print- und Internet-Medien (FAZ, Hamburger Abendblatt, Quoka, dhd24, kalaydo etc.) sogenannten "Verkaufsagenten" für Onlineauktionsplattformen angeworben.
Dabei werden von den Tätern Namen und Daten bestehender seriöser Firmen mißbraucht bzw. sind an diese angelehnt oder komplett neue Firmenkonstrukte werden erfunden.
Um die Seriösität zu untermauern, verwenden die Täter oft eigene Maildomains oder bauen gar eigene Internetpräsenzen auf.
Auf die Bewerbung per eMail folgt dann die Antwort durch eine(n) Mitarbeiter(in) einer Phantasie-Firma. Der Bewerber bekommt eine Erklärung seiner Aufgaben (u. a. muß er detaillierte Käuferlisten führen und die Geldeingänge dokumentieren) sowie die Zusage, daß die Ware direkt ab Lager von der Firma versendet wird.
Für diese Kommunikation wird oft auf Chat-/Messengerprogramme zurückgegriffen. Weiterhin benutzen die Täter hin und wieder Büroservices, über die man völlig anonym einen Briefkasten und/oder eine Telefonnummer in Deutschland mieten kann.
Außerdem erhält der Verkaufsagent einen "Arbeitsvertrag", den er unterschreiben und zurücksenden soll.
Der Verkaufsagent stellt also die Ware ein, kassiert das Geld der Käufer und leitet es auf ein oder mehrere Konten in Deutschland weiter.
Die Inhaber dieser Bankkonten sind sogenannte Finanzagenten. Sie wurden parallel zu den Verkäufern ebenfalls mit Job-Annoncen angeworben und haben keine Ahnung, daß sie an einer Straftat beteiligt sind, sondern glauben, für eine seriöse Firma in Südamerika tätig zu sein. Sie stellen ihr eigenes Konto gegen Provision für Einzahlungen zur Verfügung und leiten dann die eingehenden Gelder per Western Union nach Paraguay weiter.
Sofern den Tätern gerade keine Finanzagenten zur Verfügung stehen, werben sie hin und wieder auch die Verkaufsagenten gleich für eine frei erfundene "Firma" in Paraguay an und lassen die Verkäufer das Geld dann ohne den Umweg über ein deutsches Bankkonto direkt nach Paraguay weiterleiten.
Spätestens nach 10 Tagen fangen die ersten Kunden an, sich beim Verkäufer zu beschweren, weil die Ware natürlich nie geliefert wird.
Und wenn dieser dann beim vermeintlichen Auftraggeber nachfragt, bricht der Kontakt sehr schnell ab oder er wird mit diversen Ausreden auf den St.-Nimmerleins-Tag vertröstet.
Anders als in dem „Arbeitsvertrag“ oft vorgegaukelt wird, ist der Verkaufsagent selbstverständlich in vollem Umfang haftbar für den entstandenen Schaden.
Er allein ist Vertragspartner der Käufer.
Er muss das verlorene Geld in voller Höhe ersetzen.
Er selbst hat nur den meist ebenso mittellosen Finanzagenten, an den er sich halten kann, denn alle Daten, die ihm von seinem vermeintlichen Arbeitgeber genannt wurden, sind frei erfunden.
Außerdem sieht er sich oft auch Betrugsanzeigen der Käufer ausgesetzt.
Dem Finanzagent ergeht es nicht viel besser. Er kann wegen Geldwäsche strafrechtlich belangt werden und zudem Ärger mit der BaFin bekommen.
http://www.bka.de/pressemitteilungen/hintergrund/hintergrund7.html
Zivilrechtlich sieht er sich den Verkaufsagenten-Forderungen gegenüber.
Doch damit nicht genug. Läuft alles nicht im Sinne der Täter, bedrohen sie die Verkaufs- und Finanzagenten massiv und versuchen, sie einzuschüchtern.
Bereits im Oktober 2006 hat sich das Fernsehen mit diesen Tätern beschäftigt:
http://www.youtube.com/watch?v=H0IADVpvips
Es gibt aber noch 2 andere „Geschäftszweige“ der Täter, die hier kurz zur Sprache kommen sollen.
1) Der Betrug über Kleinanzeigenmärkte, bei dem im Namen der jeweiligen Finanzagenten Verkaufsanzeigen geschaltet werden. Die Käufer überweisen auf das Konto des Finanzagenten, der wiederum wie gehabt die Gelder per Minutenservice (Western Union) nach Paraguay weiterleitet.
2) Der klassische ebay-Betrug mit Hilfe von Finanzagenten unter Verwendung von Daten früherer Verkaufsagenten, Finanzagenten oder anderer Jobbewerber.
Allein aus der Anwendung von 2) folgt, daß jeder Verkaufsagent, der für die Täter tätig war, Anzeige erstatten sollte, auch wenn kein Schaden entstanden ist, was in diesem Fall die wenigsten machen. Das mindeste aber ist, sich zumindest für ebay das ID-Zeichen zu holen und die hier beschriebene Prozedur zu durchlaufen
http://pages.ebay.de/help/account/contact-information-protection.html
Sonst kann es auch noch nach einigen Jahren, wenn längst Gras über die Geschichte gewachsen ist, noch zu unangenehmen Folgen kommen.
Auch bekommen ehemalige Verkaufsagenten einige Monate später per Mail Jobangebote, für eine Firma Geldgeschäfte in Europa abzuwickeln.
Sprich: Es wird versucht, die betrogenen Verkaufsagenten, die aus dem ersten Reinfall dringend Geld brauchen und keine Ahnung haben, daß der Betrüger, der sie als Verkaufsagent abgezockt hat, sich in Paraguay aufhält, nun als Finanzagenten anzuwerben und so zum zweiten Mal hereinzulegen.
Allgemein gilt für alle Jobangebote, wo etwas verkauft werden soll:
Ich kann nix verkaufen, was nicht neben mir steht!!!
Und für alle, wo Gelder weitergeleitet werden sollen:
Man macht sich wegen Geldwäsche strafbar.
Weitere Informationen wie verfahren werden kann, gibt es hier:
http://cgi3.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewUserPage&userid=verkaufsagenten-betrug
Anders als bei anderen Betrugsserien hat der Beschixx diesmal aber seit neuestem ein Gesicht oder besser gesagt 2.
Es handelt sich um Daniel Uwe Poth und dessen Ehefrau Mareike Poth geb. Rotter, die sich 2005 nach Paraguay abgesetzt haben und seitdem von dort durchgehend ihren betrügerischen Aktivitäten nachgehen. Inzwischen fahnden die Kripo Giessen und die Staatsanwaltschaft Marburg mit internationalem Haftbefehl nach dem Gaunerpaar
http://tinyurl.com/32ogdlk
http://img404.imageshack.us/img404/8846/pothfahndung1.png
http://img535.imageshack.us/img535/9351/pothdanieluwe250x601.jpg
http://img52.imageshack.us/img52/5042/pothmareike250x601.jpg
Wer einen Ausschnitt der Missetaten nachlesen will, kann dies z. B. hier tun
http://img703.imageshack.us/img703/4161/poth1.png
http://img708.imageshack.us/img708/577/poth2.png
http://img263.imageshack.us/img263/5648/poth3.png
oder etwas komfortabler bei outbay
http://files.outbay.ch/Sicherung_NC/12092010/elektromedia/index.html
http://files.outbay.ch/Sicherung_NC/29082010/sammel_va/thread_001.html
http://files.outbay.ch/Sicherung_NC/30082010/angeworben_va/index.html